Soll ich kündigen? Wie du herausfindest, ob eine Kündigung Sinn macht

Du stellst dir dir Frage „Soll ich kündigen"? Mit diesen 5 Schritten findest du heraus, ob eine Kündigung in deinem Fall sinnvoll ist oder nicht.

Kündigen oder lieber nicht

Du stellst dir immer häufiger diese Frage: „Soll ich kündigen?"

Es gibt viele Momente, in denen wir diesen Gedanken haben, aber ist es wirklich die richtige Entscheidung?

In diesem Artikel erfährst du, wie du in 5 Schritten herausfinden kannst, ob du kündigen solltest oder nicht. 

Schritt 1 – Liste der Unzufriedenheiten

Der allererste Schritt wäre, erstmal eine Liste zu machen. Das heißt, dass du dir all das aufschreibst, was dich in deinem aktuellen Job stört. Und zwar nicht oberflächlich, sondern wirklich in der Tiefe. 

Frage dich: Welche Dinge sind es, die ich in meinem Job anders haben möchte?

Das notierst du dir stichwortartig auf einem Blatt Papier. Da können dann so Dinge draufstehen wie „Meine Arbeitszeiten sind furchtbar, sie sind total unflexibel.” oder „Kollege XY macht immer Probleme.” Möglich wäre auch: „Meine Aufgaben sind fordern mich nicht mehr, sind immer die gleichen.” oder „Die Branche hat keine wirklich guten Aussichten.”

Du solltest alles auf diese Liste schreiben, was dich in deinem aktuellen Job unzufrieden macht und dich dazu bringt, dass du dich fragst, ob du kündigen solltest.

Schritt 2 – Grad der Unzufriedenheit

Wenn du diese Liste gemacht hast, gehen wir weiter zu Schritt 2. Dieser beinhaltet zwei Fragen, die du dir stellen solltest. 

Frage 1: Wenn du dir deine gesamte Liste einmal anschaust, wie unzufrieden auf einer Skala von 0 bis 10 bist du in deinem aktuellen Job?

0 Würde natürlich heißen, dass du total unzufrieden bist, und 10 wäre „Wow, das ist ein absoluter Traumjob. Hier ist alles perfekt.” Die Wahrscheinlichkeit, dass es eine 10 ist, ist vermutlich nicht ganz so hoch, denn dann würdest du dir gar nicht die Frage stellen, ob du kündigen solltest.

Wenn du z.B. geantwortet hast „Naja, also mein Job ist jetzt nicht so super cool. Ich bin auf einer Skala von 0 bis 10 bei einer 3, dann ergibt sich daraus die Frage 2: 

Frag dich, was du brauchst, um von einer 3 auf eine 8 zu kommen.

Wir wollen nicht direkt auf eine 10, denn die ist sehr unwahrscheinlich. Wir wollen erst einmal nur von einer 3 auf eine 8.

Schritt 3 – Was kann ich verändern?

Jetzt kommt der dritte Schritt und da habe ich einige Fragen für dich, die dir verdeutlichen, ob du eine Kündigung in Betracht ziehen solltest:

Was kannst du selbst dazu beitragen, dass du dahin kommst? Was liegt da innerhalb deines Einflussbereichs? Was kannst du verändern, was kannst du verhandeln? 

Vielleicht kannst du Arbeitszeiten verhandeln. In manchen Bereichen ist da durchaus etwas verhandelbar, z.B. dass du weniger Frühschichten übernehmen musst. 

Dann gibt es bei den Tätigkeiten vielleicht Dinge, die du übernehmen oder auch abgeben kannst. Je nachdem, ob das Tätigkeiten sind, die dich stressen oder die du gerne übernehmen würdest.

Was kannst du da vielleicht verändern? Kannst du mit deinem Chef, deiner Chefin ins Gespräch kommen?

Darüber vielleicht zum Punkt Gehalt gelangen? Gibt es da Spielraum nach oben? Kannst du da in eine Gehaltsverhandlung eintreten?

Arbeitest du zu viel? Hast du zu viele Stunden? Machst du permanent Überstunden? Gibt es vielleicht Abstimmungsschwierigkeiten mit Kollegen und Kolleginnen? Wo hast du eigene Einflussmöglichkeiten? 

Wenn du mal durch deine Liste aus Schritt 1 gehst: Was davon liegt außerhalb deines Einflussbereiches oder zum Teil auch innerhalb deines Einflussbereiches?

Wo könntest du mal ansetzen? Wo sind Dinge möglich, die du verändern kannst? 

Ich gebe dir mal ein Beispiel, wo du z.B. gar nichts verändern kannst. Das sind häufig häufig systembedingte Sachen. Das heißt, wenn du z.B. in sehr starren Strukturen bist, beispielsweise im öffentlichen Dienst oder in einem sehr großen Konzern mit sehr starken Hierarchiestufen. Dort sind deine Einflussmöglichkeiten häufig sehr gering.

Aber in offeneren Strukturen hast du durchaus die Möglichkeit, Dinge zu verändern. Führ mit deiner Führungskraft ein Gespräch!

Schritt 4 – Selbstreflexion

Wenn du das gemacht hast, kommt der nächste Schritt. Hier geht es um die Frage, was du selbst mitnehmen würdest, wenn du deinen aktuellen Job kündigst und in einen neuen wechselst. Also was liegt in dir und in deiner Persönlichkeit begründet?

Das ist eine sehr herausfordernde Frage. Wir reden uns Dinge schön oder sind uns unserer Eigenarten gar nicht bewusst. Oder wir wollen die Verantwortung vielleicht auch an der einen oder anderen Stelle nicht übernehmen. 

Ich gebe dir zwei Beispiele. Eines wäre, wenn du immer wieder in dieselben Konflikte gerätst. Sei es mit Kollegen, sei es mit Kunden usw.. Das hat dann auch immer irgendetwas mit dir selbst zu tun.

Ich spreche hier nicht von Schuld. Es geht darum, dass du Teil einer Kommunikation bist. Kommunikation hat immer zwei Seiten: einen Sender und einen Empfänger. Eine Seite davon bist du. Und wenn du immer wieder in die gleichen Konflikte gerätst, dann hat das was mit dir und deiner Persönlichkeit zu tun. 

Ein weiteres Problem ist, wenn du deine Arbeit immer mit nach Hause nimmst. Das hat meistens etwas mit fehlender Abgrenzung und deinen eigenen Überzeugungen zu tun. 

Vielleicht denkst du, dass du das machen und dich anpassen musst. Diese Überzeugungen führen dann zu deinem Verhalten. Das ist blockierend und an dieser Stelle nicht hilfreich, da es häufig auch in die totale Überbelastung führt.

Sowohl die Kommunikation als auch diese Abgrenzung sind Themen, die wir in einen neuen Job mitnehmen.

Schritt 5 – Soll ich kündigen?

Du hast dir angeschaut, was deine Unzufriedenheiten sind und was du an deinem Job ändern könntest. Du weißt, was du selbst immer in einen Job mit reinbringst und wo du die Probleme siehst. All das sind die Dinge, die sich auf deine Zufriedenheit auswirken. Und dann stellst du dir die Frage: „Warum bleibe ich nicht?”

Das ist natürlich die einfachere Alternative, als sich in eine berufliche Neuorientierung reinzubegeben. Erstmal zu gucken, was du in deinem bestehenden Job verändern, angehen und auch besser machen kannst. 

Manchmal ist es aber so, dass sich auch dann nicht die gewünschte Zufriedenheit einstellt, wenn du alles ändern könntest. Es kann sein, dass dir einfach der Sinn deiner Arbeit fehlt oder dir die Branche im Gesamten missfällt. 

Dann ergibt es Sinn, über eine berufliche Neuorientierung nachzudenken und die auch wirklich aktiv in Erwägung zu ziehen. In jedem Fall solltest du eine aktive Entscheidung treffen. 

Anja, wann ist denn der beste Zeitpunkt?

Häufig kommt dann die Frage nach dem günstigsten Kündigungszeitpunkt. Dieser hängt immer davon ab, wo du gerade stehst und in welcher Situation du bist. 

Im Normalfall würde ich empfehlen, dich von deinem jetzigen Arbeitsverhältnis aus umzusehen und umzuorientieren. Du solltest also nicht direkt zu deinem Chef oder deiner Chefin gehen, wenn dein Entschluss feststeht. Denn zu kündigen, wenn du noch keine Alternative gefunden hast, ist meist keine gute Idee.

Auch eine Selbstständigkeit würde ich im Normalfall immer aus der Anstellung heraus probieren. Am Anfang vielleicht erstmal so, dass man es am Wochenende nebenbei aufbaut. Später dann in eine Teilzeit-Tätigkeit wechselt und erst, wenn sich das gut trägt, in eine Vollzeit-Selbstständigkeit einsteigt.

Wenn du aber schon massive körperliche Symptome hast, dann ist deine Lebensqualität so sehr beeinträchtigt, dass es wichtig ist, sich nach etwas anderem umzusehen. Die Symptome können sein, dass du nicht schlafen kannst, massive Schmerzen hast oder schon im Burnout steckst. 

Wenn du merkst, dass es nicht mehr geht, wäre es auch eine Mögluchkeit, dir erst einmal eine ärztlich verordnete Auszeit zu nehmen. Dann kannst du dich für ein paar Tage oder Wochen zurückziehen und ausruhen. Außerdem gibt dir das die Zeit, über deine Situation nachzudenken. 

Warum sollte ich mich am besten aus meinem Angestelltenverhältnis heraus umsehen?

Es gibt zwei Gründe, warum es besser ist, sich aus einer Anstellung heraus nach einer Alternative umzusehen. Zum einen bewirbt es sich aus einer Anstellung heraus viel einfacher als aus einer Arbeitslosigkeit. Ein nahtloser Lebenslauf wird von zukünftigen Arbeitgeber:innen meist besser aufgenommen, als eine Pause.

Der zweite Grund ist der finanzielle Druck, der entsteht, wenn du ohne Alternative kündigst. 

Wir werden hektisch und kommen wieder in so einen Modus, in dem wir gar nicht mehr danach suchen, was uns zufrieden macht. Wir kommen aus diesem finanziellen Druck heraus dann in einen Aktions-Modus oder in einen Reaktions-Modus rein. Das bewirkt, dass wir unsere Bedürfnisse und Wünsche an einen Arbeitsplatz wieder vernachlässigen. 

Wann der beste Zeitpunkt für eine Kündigung ist, kommt also immer darauf an, wo du stehst!

Und was nun?

Wenn du dir unsicher bist, so versuche, deine Unzufriedenheiten herauszufinden und erstmal zu schauen, ob du an deinem jetzigen Job etwas ändern kannst. Sollte dies nicht in dem Umfang der Fall sein, den du dir wünschst, kannst du dich nach Alternativen umsehen. Wichtig ist, dass du nichts überstürzt. 

Um dir bei deiner Entscheidung etwas zu helfen, findest du hier den Test „Soll ich kündigen?”. Er ist für dich kostenlos abrufbar. Das ist natürlich nur eine erste Idee, aber ich habe auch einen Minikurs und da findest du die 5 Schritte aus diesem Beitrag wieder. Er hilft dir, deine Situation zu reflektieren und du kannst dich hier kostenlos dafür anmelden. 

Ich hoffe, ich konnte dir bei deiner Entscheidung helfen und ein paar Anreize geben, wie du deine Zufriedenheit erhöhen kannst.

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