Loslassen lernen: Wie du nicht an Dingen festhältst, die du „eigentlich“ gar nicht mehr willst?

  • Warum hältst du am ungeliebten Job fest und quälst dich Tag für Tag aus dem Bett heraus?
  • Warum bleibst du in einer unerfüllten Beziehung, deren gute Tage schon lange her sind?
  • Warum triffst du dich mit den immer gleichen Freunden, obwohl du dir eigentlich nichts mehr zu erzählen hast?

Warum ist das so? Warum hältst du an diesen Dingen fest?

Eigentlich ist die Frage schnell beantwortet. Wenn du loslässt, begibst du dich in eine neue Situation. Du weißt dann nicht, was kommt. Weißt nicht, ob es besser ist. Das kannst ja auch gar nicht wissen, woher denn auch? Du musst es schlichtweg erst mal erfahren, um dann eine Bewertung vornehmen zu können. Und diese Unsicherheit macht dir Angst. Und Angst wiederum erzeugt erst mal intuitiv ein Fluchtverhalten und lässt dich in der vermeintlichen „Komfortzone“ verharren, obwohl sie sich so gar nicht komfortmäßig anfühlt. Total normal, total menschlich – aber eben auch total wachstumshemmend und schmerzhaft.

Lass uns das an einem Beispiel besprechen: Dein Freund hat eure Beziehung beendet. Du liebst ihn noch, aber er möchte die Partnerschaft nicht mehr. Häufig ist es so, dass die erste Reaktion erst mal Schock ist. Du willst das erst mal nicht wahrhaben und versuchst dir einzureden, dass das nur eine Phase ist, die vorbei geht. Diese Gefühle sind erst mal ganz normal und gehören dazu. Dann bist du verletzt. Enttäuscht. Gekränkt. Fühlst dich hilflos. Oder auch wütend. Auch diese Trauerphase ist wichtig für die Verarbeitung des neuen Zustands.

Die Frage ist jetzt aber, wie lange du in diesem Zustand verharren möchtest. Und ich sage bewusst „möchtest“. Denn das entscheidest du natürlich selbst. Irgendwann sollte der Zeitpunkt kommen, an dem du diese schlechten Gefühle loslassen willst. Wann das ist, ist sehr individuell, das kann ich dir pauschal nicht beantworten. Aber wenn dir von außen z.B. von deinen Freunden das gespiegelt wird, dass du dich jetzt mal wieder um dich kümmern solltest, kannst du davon ausgehen, dass die Zeit dafür reif ist 😉

Gleiches gilt natürlich für deinen Job. Verharrst du in deinem Job, den du eigentlich hasst? Quälst du dich jeden Tag zur Arbeit hin? Dann gelten hier die die gleichen Prinzipien. Auch hier gibt es eine Phase der Verneinung, dass du dir alles schönredest, gefolgt vom Tal der Tränen, wo es dir einfach nur bescheiden geht. Auch hier sollte dann aber, wenn du nicht dein Leben lang unglücklich sein willst, die Phase der Akzeptanz folgen. Dass du dann dein Leben in die Hand nimmst und dir einen Plan B überlegst, wie du aus dem Schlamassel wieder rauskommst.

Wo wir überall nicht loslassen:

Es gibt so viele Bereiche, in denen wir festhalten. So viele unschöne Zustände, in denen wir verharren. Von außen sieht es oftmals so aus als hätte der andere nicht mehr alle Tassen im Schrank. Das kennst du sicher auch von dir. Die Freundin, die sich von einem blöden Typen schlecht behandeln und dauerhaft betrügen lässt. Du fragst dich, warum sie das macht. Ist doch eigentlich ganz sonnenklar, dass sie den Typen endlich loslassen muss. Dir ist das klar.

Ist dir aber eigentlich auch klar, dass du sehr wahrscheinlich auch solche Baustellen hast? Schauen wir uns mal an, in welchen Bereichen du überall festhältst:

  • Du triffst keine Entscheidung und verharrst in einer Situation. Nichts ist so schlimm und kräftezehrend wie Unentschlossenheit!
  • Du ziehst nicht um, obwohl die Wohnung zu teuer/zu klein/zu laut/zu ….
  • Du hältst an unguten Beziehungen und Freundschaften fest
  • Du denkst noch immer an den einen großen Fehler von vor einem Jahr, den du gemacht hast
  • Du haderst mit dir, dass du damals nicht doch Medizin studiert hast anstatt Medientechnik
  • Du fühlst dich immer noch schlecht, weil du deiner Freundin damals nicht in einer schwierigen Phase geholfen hast.
  • Du jammerst einer alten Liebe hinterher
  • Du denkst, dass die Welt gemein und ungerecht ist und sich gegen dich verschworen hat
  • Du jammerst immer noch über deinen alten Chef, der dich nicht gefördert hat und dir deshalb die Chance zum Aufstieg vermasselt hat.
  • Du trauerst immer noch deinem verstorbenen Hamster nach 😉
  • Und so weiter und so fort…. Ich könnte die Liste hier beliebig weiterführen….

Das sind alles Dinge, die man bei näherer Betrachtung nicht unbedingt dem Loslassen zuschreiben würde, aber genauso ist es. Du verharrst dann in einem unguten Zustand, Denkweise, Beziehung oder Schuldgefühlen.

Und das Schlimme daran ist: Es macht dich nicht nur unglücklich. Auf Dauer kann das zu allen möglichen körperlichen Beschwerden führen. Bis hin zu Depressionen, Suchtverhalten und Angstzuständen. Ein Grund mehr also, sich dem Thema „Loslassen“ ausführlich zu widmen.

Alles schön und gut Anja, das kann ich ja alles auch verstehen. ABER, wie zum Teufel mache ich das? Wie lasse ich denn los?

Loslassen lernen – oh ja, das geht

1. Akzeptanz: 

Der erste Schritt ist der vielleicht Schwierigste. Du akzeptierst die Situation. Du hörst auf zu hadern, gegen an zu kämpfen, zu jammern, zu argumentieren, dir Dinge schön zu reden, hinterher zu laufen, usw. Du akzeptierst den Zustand so wie er ist. Ohne ein ABER hinterher zu schieben.

Was ist, ist. Punkt. Es geht um nicht mehr in diesem ersten kleinen Schritt und doch ist er so schwer. Du bist es nämlich gewohnt, ein ABER hinterher zu schieben. Und das geht bei der Akzeptanz nicht. Du musst zu 100% akzeptieren, was ist. Es muss dir nicht gefallen, was passiert ist. Darum geht es nicht. Du sollst nur den Zustand als gegeben annehmen.

Was dir dabei helfen kann, ist eine selbstwirksame, innere Haltung:

  • Du kannst nicht alles richtig machen.
  • Die Welt ist nicht immer gerecht.
  • Andere Menschen verhalten sich nicht immer so, wie du dir das wünscht.
  • Dinge laufen manchmal nicht so, wie du dir das wünschst.

2. Abschied:

Nimm eine offene, neugierige Haltung ein und frage dich:

  • Was ist gut daran, wenn du jetzt loslässt? Was gewinnst du dann?
  • Was verlierst du, wenn du nicht loslässt?
  • Womit musst du dich beschäftigen, wenn du losgelassen hast?
  • Was wäre gut daran?
  • Was wäre nicht so gut? Wie kannst du das verhindern oder abmildern?
  • Was wäre das Schlimmste, was dir dann passieren kann? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, das genau das eintritt? Wie kannst du verhindern, das genau das eintritt? Und welche Schritte müsstest du gehen, damit du dann wieder in den Ausgangszustand zurückkommen könntest?

Merkst du, wie sich gleich deine Sicht auf die Dinge verändert, wenn du dir diese Fragen in einer offenen, neugierigen Haltung stellst und beantwortest? Plötzlich werden Dinge möglich, die vorher undenkbar schienen.

3. Überwinde deine Ängste:

Aber das macht mir ungeheure Angst, Anja.

Ich höre das immer wieder: Ich kann mich nicht aus dem ungeliebten Job verabschieden. Ich muss am Ende des Monats meine Miete zahlen. Ja, natürlich. Klar musst du das! Das müssen wir ja alle. Wobei müssen? Wir wollen in einer Wohnung leben – selbst das könnte man jetzt hinterfragen, aber das tue ich hier nicht. Ich gehe davon aus, dass du ein bestimmtes monatliches Einkommen zum Leben brauchst. Seien wir mal ganz ehrlich: wir hier in Deutschland in einer Zeit, die – aus vorherigen Epochen aus betrachtet – geradezu paradiesisch ist. Wir haben eine Grundsicherung und können eigentlich nicht mehr von existenziellen Sorgen in Deutschland reden. Es herrscht Frieden, es muss keiner verhungern und (fast) alle haben ein warmes Heim. Die existenziellen Sorgen betreffen nur noch sehr wenige Menschen hier. Und dennoch ist das eine unserer größten Sorgen.

Wenn du das ganz nüchtern betrachtest, sind diese Ängste eigentlich alle unbegründet. Fällst du mal hin, kannst du jederzeit wieder aufstehen. Niemand muss ohne Dach über dem Kopf hier leben. Und du hast in Deutschland  alle Möglichkeiten. Also, stelle dich deinen Ängsten. Und stell dir folgende Fragen:

  • Wie realistisch sind deine Ängste einzuschätzen? Sind sie übertrieben oder durchaus begründet?
  • Was kannst du dafür tun, dass nicht genau das eintritt, was du befürchtest?

Schau dir deine Ängste an. Meistens verschwinden sie dann von allein. Lass dich nicht von deinen irrationalen Ängsten beherrschen.

4. Triff eine Entscheidung

Ich kenne das Nichtentscheiden selbst sehr, sehr gut. Ich steckte lange Zeit in einer Situation, in der ich mich um mich selbst kreiste und keine Entscheidung getroffen habe – immer unzufrieden mit dem Status quo und doch nicht in der Lage eine Entscheidung zu treffen.

Ich kann dir sagen, dass dieser ambivalente Zustand dein Leben wirklich zerstören kann.

Nein, ich übertreibe nicht. Es zerreißt dich innerlich förmlich. Es nimmt dir jegliche Energie. Du fühlst dich klein und schwach. Und von Tag zu Tag wird es schlimmer, so dass du dich am Ende wie ein kleines Häufchen Elend fühlt. Lass es nicht soweit kommen.

Überlege dir, was du stattdessen willst:

  • Was wäre ein gutes Ziel? Womit würdest du dich gut fühlen?
  • Was wären denn eigentlich 100% in dem Bereich? Beispiel: Wie sähe denn die ideale Partnerschaft aus? Wie der ideale Job? Oder auch die anderen Bereiche?
  • Was braucht es dazu? Musst du noch etwas lernen? Brauchst du Unterstützung? Geld? Zeit?
  • Wie könntest du dein Ziel am besten umsetzen? Was wäre der erste kleine Schritt in diese Richtung? Was kannst du mal probieren? Überlege dir eine gute Strategie.

Und wenn du alle relevanten Informationen zusammen hast, dann triff eine Entscheidung. Nimm dein Bauchgefühl mit rein. Und gehe los. Lass das Alte hinter dir. Und beschreite einen neuen Weg.

Und vergiss nicht, dabei Freude zu haben. Geh da mit Neugier ran. Und lass es dir gut dabei gehen.

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