In der Kindheit gab es keinen Bedarf dafür, mutiger zu sein. Darf ich vorstellen? Anja als kleines mutiges Mädchen! Ja, das bin ich. 😉

Mutiger sein

Wenn ich zurückdenke an meine frühe Kindheit, dann kann ich mit Stolz sagen:

Oh ja, ich war schon immer sehr mutig.

Als kleines Mädchen habe ich es geliebt, mit Tieren zu spielen. Meine Großeltern hatten immer Schafe, Kaninchen und Katzen. Natürlich habe ich sie auch mal geärgert. Besonders lustig wurde es, wenn ich den Bock geärgert habe. Mutig bin ich in das Freigehege rein und habe ihn bis aufs Blut gereizt. Was dabei rauskommen ist, siehst du ja auf dem Bild.  Ja, das bin ich! Keine Sorge, ich habe es unbeschadet überstanden. (Man beachte, dass ich noch lache 😉 ).

Und das war nicht mein letzter Auftritt. Ich bin durchs Moor gelaufen (wobei ich nicht so richtig weiß, ob das noch Mut oder schon Dummheit war), habe mit meiner Freundin Nachtwanderungen auf abgelegenen Wegen gemacht und bin auf die höchsten Bäume raufgeklettert. Soviel ist sicher:

An Mut hat es mir nie gefehlt.

Was geschah dann?

Dann kam die Pubertät und mit ihr die berühmte Anpassung an meine Peer-Group.

Ich durfte nicht auffallen.

Wollte beliebt sein.

Und ich wollte nicht abgelehnt werden.

Das waren meine Themen.

Ganz klar, dass Mut jetzt nicht mehr gefragt war.

Ich wurde zunehmend ängstlicher. Und ich habe mich dann selbst blockiert.

Es waren jede Menge soziale Ängste. Nicht geliebt zu werden. Die Angst, nicht anerkannt zu werden. Und nicht gut genug zu sein.

Jeder mutige Ausbruch daraus wurde natürlich quittiert. Lächerlich gemacht. Ich fühlte mich schrecklich, weil ich mich wirklich häufig verbogen habe, nur um eben nicht ausgegrenzt zu werden.

Das zog sich lange Zeit durch mein Leben.

Und es gab immer Momente und Zeiten, in denen ich meinen alten durchaus vorhandenen Mut-Muskel wieder trainiert habe und mutig war.

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Alle anderen dachten, ich sei schon immer mutig gewesen.

Viele Menschen haben mir immer genau das die ganze Zeit anerkennend zugesprochen.

Nur ich habe es nicht gesehen.

Ich habe es vor allem nicht gespürt.

Denn von meiner alten Mut-Kraft war höchstens noch die Hälfte da. Die andere Hälfte rebellierte still in mir. Wie ein innerer Vulkan fühlte es sich an.

Weil ich immer spürte:

Ich will mehr. Mutiger sein. Und ich will Anja sein!

Ich will nicht von Montag bis Samstag arbeiten gehen und unzufrieden im Job sein. Abends dann die Glotze an. Ab und zu mit Freunden etwas machen. Putzen, einkaufen, Dinge regeln. Sonntags relaxen. Und ein- bis zweimal im Jahr für ein bis zwei Wochen in den Urlaub fahren.

Bitte? Das soll mein Leben sein?

Nein, es fühlte sich nicht wie mein Leben an.

Irgendwann kam es, wie es kommen musste: Der Vulkan in mir brach aus. Was hatte es ausgelöst?

Nur eine einzige Frage!

Meine Lehrcoach Dr. Petra Bock aus Berlin hatte mir eine einzige Frage gestellt, die alles veränderte. Sie sagte:

„Frau Worm, wann wollen Sie endlich anfangen sich selbst ernst zu nehmen?“

Wäääääähm! Das saß!

Wie eine Ohrfeige!

Ja, wann eigentlich?

Wenn ich 80 bin?

Ich fühlte mich schrecklich und heulte, was das Zeug hielt. Natürlich wusste ich, dass Frau Dr. Bock Recht hatte. Ich nahm mich überhaupt nicht mehr ernst.

Ich wollte wieder lebendig sein. Mutiger sein!

Heute frage ich mich:

Was muss eigentlich passieren, damit wir uns selbst so verleugnen?

Ich weiß es nicht.

Ich glaube, bei mir war es ein stetiger Prozess der Anpassung.

Glaub jetzt bloß nicht, dass ich von Berlin nach Hause gefahren bin und mein Leben umgekrempelt habe. Nein. Weit gefehlt.

Natürlich fühlte es sich jetzt noch mal viel schlechter an, weil ich ja wusste, dass ich mich selbst nicht mehr ernst nehme.

Ich brauchte noch mal 1,5 Jahre, bevor ich dann endlich mein Leben änderte.

Dann aber radikal.

Es hat mich viel Mut gekostet, mich zu trennen. Meinen Kindern und Eltern zu sagen, dass es nicht mehr geht. Dass die Liebe weg ist.

Meine Firma aufzugeben und neu durchzustarten.

Aus meinem eigenen Haus auszuziehen und nicht zu wissen, wie sich dadurch das Verhältnis zu meinen Kindern verändert. Allein. Ohne Partner an der Seite, der mich stützte.

Es waren tausend Ängste da.

Mutig zu sein bedeutet nicht, keine Ängste zu haben.  Es bedeutet trotz der Ängste zu handeln.

Was habe ich konkret gemacht, um mutiger zu sein?

Heute ein paar Jahre später bin ich so mutig wie noch nie zuvor. Um mal ein paar Dinge zu nennen, die ich seitdem gemacht habe:

Ich habe meine Masken abgenommen und veröffentliche heute solche Artikel, weil ich es wichtig finde, ehrlich und authentisch zu sein. Ich schreibe über meine eigenen Ängste, um anderen Mut zu machen, sie auch zu überwinden.

Ich gehe offen damit um, dass meine Ehe gescheitert ist und ich aus der Firma ausgestiegen bin.

Auf attraktive Männer bin ich offen zugegangen und lernte mit ihnen zu flirten. Wow, das hat mich nach über 20 Jahren verdammt viel Überwindung gekostet, beim Flirten mutiger zu sein.

Ich sage Menschen jetzt viel schneller, was ich toll finde und was sie mir bedeuten. Dass sie mir wichtig sind. Auch mit dem Risiko, dass sie mich dann ablehnen.

Und ich habe viele verrückte Dinge ausprobiert, die dem größten Teil der Bevölkerung Schweißperlen auf die Stirn treiben und mich für komplett verrückt erklären würden.

Ich habe mich z.B. einer Impro-Theater-Gruppe angeschlossen, was für mich definitiv die größte aller Herausforderungen war. Vor anderen Leuten spontan etwas aus der Hüfte zu schießen und lustig zu sein, fiel mir extrem schwer.

Ich war Wellenreiten in Portugal und dabei das erste Mal komplett allein auf eigene Faust verreist.

Das Kite surfen habe ich auch ausprobiert.

Ich bin an einer Mega-Zipline mit 80 km/h an einer Staumauer entlang geflogen.

Und hier laufe ich senkrecht am Seil an einer Staumauer  runter.

Mutiger sein

Ich weiß, dass das für die meisten eher nichts ist und ich möchte damit auch nicht sagen, dass du dasgleiche machen sollst.

Bitte versteh das hier alles nicht falsch.

Ich will dich nicht dazu anregen, es mir genauso gleich zu tun.

Für mich war und ist es genau das Richtige. Ich habe nach wie vor große Lust mich auszuprobieren und mag es meine eigenen Grenzen zu testen und zu überwinden.

Ich fühle mich lebendig dabei. Es geht mir nicht um den Kick, es geht mir um die Lebendigkeit!

Wenn ich meine eigenen Grenzen verschiebe, kann ich mich gut spüren.

Denn wie ich im Artikel über mutiger werden schon Julia Engelmann zitiert habe:

Mut ist ein Anagramm von Glück.

Wie kannst du nun davon profitieren mutiger zu sein?

Ich möchte dich mit meinen Beiträgen und meiner Offenheit hier ermutigen, es mir gleich zu tun.

Mutiger zu sein.

Dinge auszuprobieren.

Lebendigkeit in dein Leben zu holen.

Ich möchte auch dir die eine Frage stellen:

Was würdest du tun, wenn du dich endlich wieder ernst nimmst?

Was heißt das dann für DEIN Leben?

Was wolltest du schon immer, schon lange tun?

Was verbietest du dir selbst, weil du denkst,

  • es geht nicht
  • es „schickt sich nicht“
  • was sollen die anderen denken/….?

Fang mit kleinen Dingen an. Probiere irgendetwas:

  • Sprich eine fremde Person an und mache ihr ein nettes Kompliment.
  • Sage deiner Kollegin, dass du die Zusammenarbeit schätzt.
  • Melde dich noch heute zum Tanzkurs an – auch ohne festen Partner.
  • Schneide deine Haare kurz, wenn du es schon immer machen wolltest.

Und dann gehe Schritt für Schritt die größeren Dinge an wie z.B. eine berufliche Neuorientierung.

Werde endlich der/diejenige, der/die du sein willst.

Und mach‘ ruhig viele Fehler dabei! Dann lernst du.

Nimm dich endlich wieder ernst – du solltest es dir wert sein!

Lass uns hierunter teilhaben an dem, was du probierst. Schreib es in die Kommentare, welchen neuen Schritt du gewagt hast. Mich interessiert es sehr!

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