Perfektionismus ablegen

Perfektionismus ablegen: 4 Tipps, wie dir das gelingt

Deinen eigenen Anspruch runterzuschrauben und den Perfektionismus ablegen zu können, erscheint gar nicht so einfach.

Es ist fast schon ein Statussymbol zu sagen: „Ich bin Perfektionist“.

Ich erlebe es sehr oft, dass Menschen mit einem Anflug von Stolz von sich sagen, sie seien Perfektionisten.

Einige Bewerbungswebsites und -ratgeber empfehlen es sogar zu nennen bei der Frage nach den Schwächen, weil es durch die Blume gesagt dann so etwas wie eine versteckte Stärke sein soll. (Vergiss das sofort wieder, denn das  Schwachsinn!)

Für viele klingt so etwas wie Ehrgeiz, Strebsamkeit und Zielorientierung mit.

Perfektionisten wollen uns mitteilen:

„Schau mal, ich opfere mich für die Sache auf und bringe es zu einem perfekten Ende ohne Fehler. Bin ich nicht super?!“

Kann ich dich etwa schreien hören?

Ich kann den Perfektionismus nicht ablegen, denn…

… dann bringe ich schlechte Leistungen! Dann werde ich kritisiert oder schlimmstenfalls entlassen.

Lass uns mal Klartext reden:

Es ist absolut nicht das Gleiche, ob du bestrebt bist, deine Sache gut zu machen und dein Bestes geben möchtest oder ob du dem Perfektionismus verfallen bist.

Wenn du bestrebt bist dein Bestes zu geben, bist du in dir gefestigt und stellst deinen Wert nicht in Frage.

Du verbindest deinen eigenen Wert nicht mit deinen Leistungen oder deinem Erscheinungsbild, sondern weißt dann, dass du auch so gut genug bist, um geliebt oder anerkannt zu werden.

Perfektionismus hingegen sucht nach Bestätigung durch andere.

Perfektionisten glauben, sie müssten perfekt sein, um anerkannt, respektiert oder geliebt zu werden.

Sie denken, dass wenn sie erst gut/schön/intelligent/fleißig/…. genug sind, dann werden sie all das bekommen.

Die Denkart, die dahinter steht, ist „was werden die anderen von mir denken?“

Perfektionismus ist eine Illusion.

Du solltest deinen Perfektionismus ablegen, weil er gefährlich ist – denn er ist eine Illusion.

Du bist niemals perfekt, egal wie sehr du dich anstrengst oder wie toll du aussiehst.

Es gibt immer etwas, dass du noch verbessern kannst oder andere Menschen, die noch hübscher/sportlicher/schlanker… sind.

Perfektion ist schlichtweg unerreichbar.

Kommt dann jemand und kritisiert deine Leistung, geht es gleich an deinen Selbstwert ran. Du stellst dich sofort in Frage. Dass das nicht gut ist, brauche ich nicht zu betonen, oder? 😉

Du versuchst, schmerzhafte Gefühle zu vermeiden, indem du die Anerkennung ersehnst und hoffst nicht kritisiert zu werden.

Das, was andere über dich denken, kannst du ohnehin nicht kontrollieren – egal wie sehr du dich anstrengst. Es ist nicht möglich.

Perfektionismus ist damit ein selbstzerstörerischer Gedanke.

Und es ist ein Kreislauf. Wenn du die gewünschte Anerkennung nicht bekommst, denkst du, es liegt an dir.

Du verdoppelst die Anstrengungen und hoffst, dass du am Ende dann doch noch die Akzeptanz erfährst, die du dir so sehr wünscht.

Du fliehst förmlich vor den schmerzhaften Gefühlen wie Scham, Verurteilung durch dich selbst und andere oder auch Schuldzuweisungen.

Waren das jetzt genug überzeugende Gründe, dass du deinen Perfektionismus ablegen kannst?

Warum bezeichnen sich dann so viele Menschen überhaupt als Perfektionisten?

Weil du es so gelernt hast!

Unser ganzes System funktioniert über Leistungen.

Du bist so erzogen worden, dass du Lob für gute Schulnoten bekommen hast, bei Erfolgen im Sport, für dein Aussehen oder auch, wenn du „artig“ gewesen bist.

Immer wenn du etwas erreicht hattest, bekamst du jede Menge Anerkennung.

Dies führt häufig zu dem Glauben, dass wenn du etwas erreichst und eine perfekte Leistung bringst, bist du gut genug.

Untersuchungen haben übrigens auch gezeigt, dass Perfektionismus den Erfolg eher erschwert als dass er ihn fördert.

Das klingt vielleicht paradox, weil du ja bestrebt bist dein Bestes zu geben.

Allerdings bist du dann eben auch häufig mit anderen Meinungen beschäftigt.

Das führt häufig zu Angstgefühlen und manchmal auch zu Depressionen. Perfektionisten sind eher „Angsthasen“, weil sie sich, aus Angst Fehler zu machen, gar nichts mehr zutrauen, was aus der Komfortzone rausführt.

Dass das mit Erfolg nicht gut zu vereinen ist, ist ja klar.

4 Tipps, wie du deinen Perfektionismus ablegen kannst

1. Lege den Fokus wieder auf dich.

Zuerst einmal ist es wichtig, dass du dich wieder auf dich konzentrierst.

Mach deine Leistung oder dein Aussehen nicht abhängig von der Meinung von anderen. Besinne dich nur auf dich selbst.

  • Was fühlt sich für dich gut an?
  • Wie kannst du es für dich so gestalten, dass du damit zufrieden bist?
  • Was sind die Minimalleistungen, die andere von dir erwarten?
  • Wie kannst du die Vorgaben von anderen mit deinen eigenen Zielen so vereinen, dass du eine eigene Messlatte hast, die erreichbar ist und sich gut anfühlt?

Ich höre dich schon schreien.

Ja, Anja, du hast gut reden. Wie soll ich das machen, wenn mir mein Chef sagt, ich muss 10 Mio. Umsatz im Jahr schaffen, wobei ich genau weiß, dass nur 9 Mio. realistisch sind? Die Vorgaben sind dann ja trotzdem da.

Ja, das kann unangenehm sein, wenn vom Chef unrealistische Erwartungen vorgegeben werden.

Das kannst du nicht ändern – höchstens vielleicht dein Chef.

Ändern kannst du aber deinen Umgang damit!

Es macht für dich einen Riesen Unterschied, ob du das annimmst und es dir als Ziel zu eigen machst und dich dann daran messen lässt.

Oder ob du sagst: „Ok, ich sehe, dass 10 Mio. mit großer Wahrscheinlichkeit nicht möglich sind. Ich gebe einfach mein Bestes, versuche neue Kunden zu akquirieren und bin auch zufrieden, wenn ich nur 9 Mio. Umsatz mache. Das ist eine gute, gesunde Leistung. Ich lege nicht meinen eigenen Selbstwert in die Hand meines Chefs.“

Spürst du, welchen Unterschied das gefühlt macht?

2. Sei freundlich mit dir selbst.

Mit Sicherheit kennst du auch die Selbstgespräche á la „Du bist zu faul/zu blöd/zu fett/zu häßlich/zu wenig kommunikativ….“

Setze hier wahlweise ein, was deinem Selbstgespräch entspricht.

Sei mal ganz ehrlich zu dir selbst:

Würdest du jemals einer Freundin oder einem Freund gegenüber so etwas äußern?

Wärest du in der Lage, einem geliebten Menschen dies ins Gesicht zu sagen?

Wahrscheinlich nicht oder?

Warum tust es dann mit dir selbst?

Diese Form von Selbstgesprächen schadet dir so ungeheuer, dass ich dich bitte, sofort damit aufzuhören.

Stoppe es!

Sofort!

Jetzt!

Hier und Heute!

Sei freundlich mit dir selbst und behandle dich genauso wie du eine gute Freundin behandeln würdest.

Warmherzig, mit Respekt und verständnisvoll.

3. Fehler sind menschlich.

Akzeptiere, dass niemand vollkommen ist. Auch du nicht.

Es gehört dazu, Fehler im Leben zu machen.

Damit bist du absolut nicht allein.

Versuche nicht deine Fehler zu vertuschen.

Sieh Fehler als das an, was sie sind: als Möglichkeit zu lernen und zu wachsen!

Wenn du dir eigene, gesunde Maßstäbe setzt, bist du auch nicht mehr von der Kritik von anderen abhängig, sondern kannst selbst für dich analysieren, was du beim nächsten Mal vielleicht verbessern kannst – oder auch nicht.

Und wenn du Fehler zulassen kannst, wirst du auch mutiger sein.

4. Akzeptiere negative Gefühle als Teil des Lebens

Nur allzu menschlich ist der Wunsch, möglichst nur positive Gefühle zu erfahren.

Wir alle wollen uns nicht schlecht fühlen, kritisiert werden, uns schämen und Schuld an etwas haben.

Das ist nur allzu natürlich.

Keiner mag das gern.

Aber weißt du was? Du kannst diese Gefühle nicht vermeiden.

Sie sind Teil von uns selbst.

Du kannst es versuchen zu ignorieren und dann passiert das genaue Gegenteil von dem, was du möchtest.

Die negativen Gefühle nehmen zu.

Oder du kannst diesen negativen Gefühlen achtsam begegnen und sie wahrnehmen.

Einfach nur ansehen und denken: „Aha, ach guck mal. So fühle ich mich. Nicht schön.“

Identifiziere dich nicht mit den negativen Gedanken und Gefühlen und verfange dich nicht darin, sondern nimm sie einfach wahr.

Und dann übe dich in Freundlichkeit und Menschlichkeit dir selbst gegenüber.

Es braucht viel Bewusstheit deinen Perfektionismus ablegen zu können

Ich glaube nicht, dass du einfach den Schalter umlegen kannst und von jetzt auf gleich gar kein Thema mehr mit Perfektionismus haben wirst.

Ich denke eher, dass es ein Prozess ist und dass du immer wieder an deine Grenzen stoßen wirst.

Mach dir immer wieder bewusst, ob du gerade einem Idealbild hinterher jagst, weil du denkst, das muss so sein. Oder ob du nur versuchst, dein Bestes zu geben, was per se ja erst mal prima ist.

Wenn du weißt, dass es ein Prozess ist, ist es nicht schlimm, wenn du mal einen „Rückfall“ hast und dir wieder viel zu hohe Ziele gesetzt hast, um andere zu beeindrucken und dir Anerkennung zu verdienen.

Nimm es einfach hin und mach einfach weiter.

Mit Neugier, Vertrauen und Freude an der Erfahrung!

Du weißt ja: Nobody is perfect…

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