Wie sicher ist eine Selbstständigkeit? 5 Antworten

Premiere! Gleich 5 Gäste habe ich im Podcast - 5 Unternehmerinnen! Mit ihnen habe ich über ihre Selbstständigkeit und das Thema Sicherheit gesprochen.

wie sicher ist eine selbstständigkeit

Selbstständigkeit - ja oder nein?

Immer wieder höre ich: “Anja, ich würde mich ja gerne selbstständig machen, aber ich habe kein Sicherheitsnetz.” Wenn du davon träumst, dich selbstständig zu machen, dich aber davon abhalten lässt, weil dir das zu unsicher ist, dann kann dir diese Podcast-Folge helfen. Denn ich habe fünf Unternehmerinnen und Selbstständige gefragt: Wie sicher fühlt ihr euch in der Selbstständigkeit? Ein super spannendes Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Ich kenne eine ganze Menge Selbstständige bzw. Unternehmerinnen, die einfach happy sind in ihrem Job, die montags wirklich gerne aufstehen. Und genau das möchte ich dir hier gern vermitteln.

Wie bin ich vorgegangen? 

Ich habe die Frauen nacheinander interviewt und allen die gleichen Fragen gestellt, damit du von unterschiedlichsten Menschen aus unterschiedlichsten Altersklassen und Bereichen möglichst viel mitnehmen kannst. Die Frauen haben vier Fragen bekommen und jeweils 90 Sekunden Zeit, auf diese Fragen zu antworten, damit der Podcast nicht zu lang wird.

Die Fragen lauten:

  1. Wer bist du? Was machst du beruflich und wie lange bist du schon selbstständig bzw. unternehmerisch tätig? 
  2. Warum bist du eigentlich selbstständig? Was motiviert dich? Warum ist es toll? 
  3. Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie sicher fühlt sich deine Selbstständigkeit an? Und warum? 
  4. Was würdest du Menschen raten, die gern gründen würden, sich aber nicht trauen, weil sie ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben? 

Paula Lotte Thurm - Jeder kann podcasten

Lasst uns nun aber mit dem eigentlichen Thema starten. Anfangen möchte ich mit der lieben Paula Lotte Thurm. Paula hat mir nämlich dabei geholfen, diesen Podcast zu entwickeln und ihn bekannt und erfolgreich zu machen. Ich liebe es zu podcasten und deshalb gebührt ihr natürlich mein großer Dank. Also, Bühne frei. Sie hat den Ehrenplatz hier am Anfang in dieser Podcast-Folge verdient.

Liebe Paula: Wer bist du? Was machst du beruflich und wie lange bist du schon selbstständig bzw. unternehmerisch tätig? 

Hey, ich bin Paula, Gründerin und Geschäftsführerin von Podcast Marketing Club. Der Podcast-Vermarktungs-Boutique für Business-Podcasts im deutschsprachigen Raum. Wir sind verantwortlich dafür, dass du nur noch richtig gute Podcast-Werbung hörst. Dazu gibt es natürlich auch den Podcast-Marketing-Club-Podcast. Hör gerne mal rein, wenn du magst. Gestartet bin ich damit vor ziemlich genau drei Jahren. 

Und warum bist du selbstständig? Was motiviert dich? Warum ist das für dich toll? 

Ich habe mich damals selbstständig gemacht, weil es mir meinen Traum ermöglicht, ein freies und selbstbestimmtes Leben zu führen. Mir haben sechs Wochen Urlaub im Jahr einfach nicht mehr gereicht, um herumzureisen. Ich wollte gern von überall aus arbeiten können. Das Podcast-Thema fand ich schon immer spannend, hatte aber noch nicht wirklich viel Ahnung davon. Da habe ich einfach mal gekündigt und direkt Podcaster angeschrieben, ob sie einen Job für mich haben. Auch wenn ich grundsätzlich jetzt eigentlich weniger Urlaub mache als vorher, fühle ich mich trotzdem wesentlich freier. Und ich weiß vor allem, wofür ich es tue. Es ist eine riesige Motivation, für sein eigenes Unternehmen zu arbeiten und nicht mehr für eine andere Firma. 

Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie sicher fühlt sich deine Selbstständigkeit, dein Unternehmertum an und warum?

Es schwankt oft ganz schön, aber es befindet sich eigentlich immer in der oberen, sicheren Hälfte. Das liegt auch daran, weil ich ein Online-Business habe, bei dem ich nicht von Tag eins an viel Kapital reinstecken oder Schulden aufnehmen musste. Ich habe mehr oder weniger bei null gestartet und mich dann von Monat zu Monat vorgearbeitet. Ich dachte immer, wenn es nicht mehr klappt, gucke ich, ob ich etwas ändern kann, damit es wieder klappt. Oder dass ich mir im Zweifel einfach wieder einen Job suchen muss. Aber dann habe ich es wenigstens einmal versucht! 

Was würdest du Menschen raten, die gern gründen möchten, sich aber nicht trauen, weil sie ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben? 

Sei mutig. Ja, ich weiß. Hier geht es nämlich gerade darum, dass es schwierig ist, mutig zu sein. Mut ist einer meiner größten Werte. Und er hat mich in den letzten Jahren unheimlich weit gebracht. Und Mut kann man auch lernen. Man kann anfangen, bei kleinen Sachen mutig zu sein. Was mir aber auch extrem geholfen hat, war immer die Frage an mich selbst: Hey Paula, was ist am Ende das Schlimmste, was passieren kann? Wenn man sich das Szenario ausmalt, wirkt es schon gar nicht mehr so unheimlich. Oder du merkst sogar, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist und du damit leben kannst. Und was noch wichtig ist: Such’ dir Menschen, die an dich glauben und vielleicht am besten sogar schon da sind, wo du gerne hin möchtest oder auf jeden Fall weiter sind als du. Und lass dich nicht von unseren gesellschaftlichen Normen aufhalten, weil es immer Leute im Bekannten-, im Freundes- und Familienkreis gibt, die dich abhalten wollen. Und ich habe mir sogar selbst gesagt, dass man einen sicheren Job nicht einfach aufgibt. Wenn du aber gerne selbstständig sein möchtest, dann such dir Leute, die das gemacht haben, die Lust darauf haben und die dich dabei unterstützen und an dich glauben. 

Super wertvoll, liebe Paula, da bin ich total bei dir. Das Umfeld ist absolut wichtig. Wenn du gründen willst, such’ dir auf jeden Fall die richtigen Leute. 

Eva Helmeth - 2 Leidenschaften vereinen

Jetzt machen wir weiter mit der lieben Eva Helmeth. Eva hat das Naturkosmetik-Unternehmen Mon Courage aufgebaut und vertreibt dort zum Beispiel den Mond Courage-Stick, mit dem sich alle anderen Hautpflegeprodukte erübrigen. Es ist quasi das Schweizer Taschenmesser für Kosmetik. Ich habe Eva im Juni bei einem Workshop auf dem Event des Citizen Circles kennengelernt, und zwar zum Thema Produkt-Treppe. Das hat mich sehr begeistert und deshalb habe ich Eva gefragt, ob sie nicht auch etwas zum heutigen Thema beitragen möchte. Und ich freue mich, dass Eva mit am Start ist. 

Wer bist du? Was machst du beruflich und wie lange bist du schon selbstständig bzw. unternehmerisch tätig?

Ich bin Eva, Gründerin von Mon Courage, einem Naturkosmetik-Startup aus Freiburg. Mit Mon Courage verbinde ich zwei meiner Leidenschaften. Das Eine sind die Heilpflanzen und ätherischen Öle und das Andere ist das Reisen. Denn genau für Reisende habe ich ein Hautpflege-Produkt entwickelt, den Mon Courage-Stick, den du für alles verwenden kannst, wenn du unterwegs bist und nicht viel mitnehmen willst. Ich habe Mon Courage im Sommer 2020 gegründet, als ich mit meiner Ausbildung zur Heilpflanzen-Expertin fertig war. Und ein gutes halbes Jahr später habe ich mich dann entschieden, meinen Job, den ich bis dahin immer noch hatte, zu kündigen und ins kalte Wasser zu springen. Seit Ostern 2021 bin ich 100 % für Mon Courage tätig.

Und warum bist du selbstständig? Was motiviert dich? Warum ist das für dich toll?

Ich wollte eigentlich immer schon selbstständig sein. Mir fehlten aber die konkreten Ideen. Als Angestellte hatte ich oft das Gefühl, dass ich mein Potenzial nicht richtig entfalten konnte. Ich dachte oft, da steckt noch so viel mehr in mir, was ich in meinem Angestellten-Job gar nicht wirklich anwenden und nicht ausleben konnte. Es war sogar so, dass auch gar nicht wirklich gefragt wurde, was für Interessen und Fähigkeiten in mir stecken. Als ich dann die Ausbildung zur Heilpflanzen-Expertin gemacht habe, da wusste ich schon mal die grobe Richtung meines Unternehmens. Dann fing ich an, meine Kosmetik selbst herzustellen. So wurde die Selbstständigkeit immer konkreter. Was mir dann aber wirklich geholfen hat, war ein Coaching, um die Geschäftsidee zu finden, die wirklich zu mir passt. Ich beschäftige mich jetzt mit Reise-Kosmetik, also mit zwei Leidenschaften, die ich hier zusammen bringe. Und das erfüllt mich sehr. Genauso wie die Selbstständigkeit. Du hast ständig mit irgendetwas Neuem zu tun, wirst stets gefordert und entdeckst dann eben ganz viele Potenziale in dir. Das ist grandios.

Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie sicher fühlt sich die Selbstständigkeit, dein Unternehmertum an und warum?

Als ich mich entschieden hatte, meinen sehr sicheren Job zu verlassen, war ich in Teilzeit angestellt. Das heißt, ich hätte eigentlich auch ganz gut noch für eine längere Zeit nebenberuflich gründen und mein Unternehmen aufbauen können. Aber ich fühlte mich wie in einem goldenen Käfig. Natürlich hatte ich auch Angst davor, diese Entscheidung zu treffen. Aber ich habe mir letztlich gesagt: Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn Mon Courage nicht erfolgreich wird, ich davon nicht leben kann? Dann gibt es immer einen anderen Weg, einen anderen Job, den man machen kann, oder andere kreative Wege, um Geld zu verdienen. Das versuche ich mir immer wieder zu sagen. Denn es kommen natürlich auch unsichere Momente. Ich glaube aber, das ist ganz normal als Gründerin. Da fragt man sich: Ist man wirklich auf dem richtigen Weg? Wird man jemals erfolgreich sein, jemals davon leben können? Wenn ich von einer Skala von 0 bis 10 sagen sollte, wie sicher ich mich fühle, dann muss ich sagen, dass das sehr tagesformabhängig ist. Mal fühle ich mich sehr sicher, bin bei einer Zehn und am nächsten Morgen bin ich wieder bei eins. Es ist eine reine Berg- und Talfahrt.

Was würdest du Menschen raten, die gern gründen möchten, sich aber nicht trauen, weil sie ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben?

Wenn du den Wunsch verspürst, dass du eigentlich auch gerne deinen sicheren Job verlassen möchtest oder eben etwas Eigenes machen möchtest, dann kann ich dir zwei Dinge raten. (Man muss ja auch nicht immer gleich kündigen, so wie ich das gemacht habe.) Das Eine ist: Du solltest etwas finden, was wirklich zu dir passt, weil das genau das ist, was dich durch unsichere Zeiten trägt. Wenn du etwas mit Leidenschaft und Freude machst, ist das das, was dich motiviert. Das Andere ist: Wenn du ein großes Sicherheitsbedürfnis hast, kannst du bei deinem Job erstmal reduzieren und deine Idee auf dem Markt antesten, gucken, wie sie ankommt und dann ins kalte Wasser springen. Und wenn deine Idee läuft, kannst du sie ganz und gar verwirklichen. Hast du Angst, die Entscheidung zu treffen, ob du gründen sollst oder nicht, kann ich dir raten, dass du dir genau überlegst: Was wäre dein Worst Case-Szenario? Und dir dafür eine mögliche Lösung überlegen. In meinem Fall war das Worst Case Szenario, dass ich die Hypothek von der Wohnung nicht mehr zahlen kann. Meine Lösung dafür ist, dass wir Zimmer frei machen, die wir vermieten und so eine Einnahmequelle haben. Das gibt mir die nötige Sicherheit, die ich brauche, um durch schwierige Zeiten zu kommen.

Wow, vielen Dank, liebe Eva, das war inspirierend, ganz besonders zu hören, was für eine Strategie du da gefahren bist. Für deinen Traum, für das, was du wirklich machen möchtest. Man hört es in jedem Satz, dass du für die Sache, die du tust, brennst und dafür auch wirklich den vollen Fokus gewählt hast. Alle Achtung! Dem gebührt mein voller Respekt. Herzlichen Dank dafür. 

Sonja Schlenther - Selbstständigkeit als Nonplusultra

Als nächstes habe ich die inspirierende Sonja Schlenther im Gespräch. Sonja ist für mich der Inbegriff des Mutes, denn sie ist vor 20 Jahren auf die Philippinen ausgewandert und hat dort ein Hotel eröffnet, ist Autorin des Buches “Abseits vom Trampelpfad” und Mentorin. Mittlerweile für Menschen, die ihr ihren Weg nachmachen möchten. Sie ist für mich ein Beispiel für alles, was möglich ist, wenn man an sich glaubt und wenn man für seine Träume auch wirklich einsteht. Und das hat sie gerade auch in einem wirklich tollen Vortrag bewiesen. Liebe Sonja, Bühne frei für dich!

Wer bist du? Was machst du beruflich? Und wie lange bist du schon selbstständig bzw. unternehmerisch tätig?

Hallo, ich bin Sonja, unter 50 Jahre jung und gebürtige Karlsruherin. Ich lebe und arbeite seit circa 17 Jahren als selbstständige Unternehmerin auf den Philippinen. Dort habe ich 2005 mein erstes unternehmerisches Baby, ein Boutique-Hotel mit Art-Café selbst designt und mit 30 philippinischen Bauarbeitern gebaut. Bis zum Verkauf 2016 leitete ich das Ressort mit einem Team von 15 Einheimischen als eine von wenigen europäischen Frauen ganz allein. Aktuell eröffne ich eine Luxus-Ferienvilla auf der Insel Camiguin, unter anderem zu finden bei Airbnb und arbeite parallel online als Beraterin und Lifestyle Coach. Mein Mentoring soll Menschen vor allem helfen, ein selbstbestimmtes und sinnvolles Leben abseits vom Trampelpfad zu führen. Egal, ob im In- oder Ausland. Das erste Mal habe ich mich mit circa 22/23 Jahren als Visagistin und Make-Up-Artist in Deutschland selbstständig gemacht. Das war in den 90er Jahren. Ich bin selbstständige Unternehmerin von ganzem Herzen und mit voller Leidenschaft.

Und warum bist du selbstständig? Was motiviert dich? Warum ist das für dich toll?

Ich habe mich selbstständig gemacht, um ein selbstbestimmtes und freies Leben aktiv selbst zu gestalten. Das gebe ich auch als Mentorin so weiter. Ich selbst habe mich vor fast 30 Jahren zu diesem speziellen Lifestyle entschieden und der kommt natürlich mit der kompletten Achterbahn daher, mit allen Höhen und Tiefen. Ich kann also behaupten, dass diese Abenteuerreise immer spannend, herausfordernd und sehr lehrreich war. Ich habe mich sowohl in Deutschland als auch im Ausland selbstständig gemacht und damit die komplette Verantwortung über mein Leben, meine Arbeit und auch meine finanzielle Absicherung übernommen. Ich liebe es, über meine Zeit selbst zu bestimmen. Das heißt zum Beispiel, meiner Kreativität und Ideen freien Lauf zu lassen. Dabei konnte ich viele meiner Träume in die Realität umsetzen, wie zum Beispiel mein eigenes Buch zu schreiben oder bis dato 87 Länder dieser Welt zu bereisen. Schon als junger Mensch war mir klar, dass mir 3 bis 4 Wochen Jahresurlaub für solche Lebensabenteuer keine Chance geben. Dazu kommt, dass es mich sehr motiviert, mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen und diese erfolgreich zu meistern.

Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie sicher fühlt sich deine Selbstständigkeit, das Unternehmertum an und warum?

Oh, im Laufe meiner Selbstständigkeit hat sich das Sicherheitsgefühl immer mal verändert. Von der Skala 1 bis 9 war da eigentlich alles mit dabei. Es gibt Momente der Unsicherheit und das ist meiner Meinung nach auch ganz normal. Diesen Ängsten kann man sich ja aktiv stellen. Ich selber habe mir eine persönliche Erfolgsformel zusammengestellt, die es mir erlaubt, mein Sicherheitsgefühl eher im oberen Drittel anzulegen. Luft nach oben ist natürlich immer drin. Das motiviert mich, die Elemente meiner Formel immer wieder zu verbessern und auch zu verfeinern. Wer rastet, der rostet, ist eines meiner Leitmotive, vor allem, wenn man so langsam die 50 überschritten hat. Ich persönlich denke, solange ich körperlich und geistig fit bin, habe ich es selbst in der Hand. Und auch die Sicherheit in der Selbstständigkeit hat weniger mit dem Alter oder beruflichen Erfahrungen zu tun, sondern mit Gesundheit und vor allen Dingen mit dem richtigen Mindset.

Was würdest du Menschen raten, die gern gründen möchten, sich aber nicht trauen, weil sie ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben?

Grundsätzlich darf man nicht vergessen, dass es keine wirkliche Sicherheit im Leben gibt. In erster Linie haben Menschen meiner Erfahrung nach Angst vor finanzieller Unsicherheit in der Selbstständigkeit. Dem kann man mit einer guten Strategie, finanziellem Backup und einer großen Portion Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entgegenwirken. Ich selber habe mich in einem armen Schwellenland, den Philippinen, selbstständig gemacht, in dem die Einheimischen meist ohne jegliche Absicherung von einem Tag in den nächsten leben. Oftmals leben sie von kleinen Micro-Businesses, zum Beispiel einem Tante Emma-Laden oder sie backen Kuchen für Feiern aller Art, besonders während der Corona-Krise sind viele sehr kreativ geworden, vor allem die weiblichen Filipinas. Genau von diesen Leuten habe ich gelernt, mehr im Jetzt zu leben und mein Leben selbst anzupacken. Denn es liegt ja an uns, ob wir selbstständiger arbeiten wollen, ob als Entrepreneur in einer Firma oder mit dem lohnenswerten Sprung ins kalte Wasser als Entrepreneur mit dem eigenen Business. Die entscheidende Frage ist: Was hat man schon zu verlieren?

Danke, liebe Sonja, auch du sprichst den Punkt an: Was hat man schon zu verlieren? Das haben wir jetzt schon von drei Unternehmerinnen gehört. Das ist total spannend, dass alle das gleich sehen. Und du hast auch die Punkte Vertrauen und Strategie angesprochen. Sonja, das finde ich auch sehr wertvoll. Wir können etwas für die Sicherheit tun. Wir sind der Unsicherheit nicht ausgeliefert. Vielen Dank, liebe Sonja. 

Martina Bootz - Smart verkaufen

Nun ist Martina Bootz an der Reihe. Martina ist Verkaufstrainerin und Coach für smarte Verkaufsgespräche. Auch Martina habe ich erst kürzlich kennengelernt und ich finde ihren Verkaufsansatz mehr als spannend, weil sie nicht vom Höher-, Schneller-, Weiter-Ansatz ausgeht, sondern von einem smarten Verkaufsansatz, der sich auch die Verkaufenden gut anfühlen soll, so Martina. 

Wer bist du? Was machst du beruflich? Und wie lange bist du schon selbstständig bzw. unternehmerisch tätig?

Hallo, liebe Anja und hallo, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, hier zu sein. Ich bin Martina Bootz. Und ich habe vor zwei Jahren sunnysidesofsales gegründet. Bevor ich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt habe, habe ich über 25 Jahre im Außendienst für die Pharmaindustrie gearbeitet. Das heißt, ich habe jede Menge Erfahrung mit Kunden, auch natürlich mit schwierigen Kunden, aber auch damit, Produkte, vor allem auch Neu-Einführungen erfolgreich zu verkaufen. In dieser Zeit habe ich parallel sehr viele Ausbildungen gemacht. Ich bin z.B. NLP-Master und systemischer Business Coach. Ich habe eine Trainer- und Moderatoren-Ausbildung. Und irgendwann war der Wunsch in mir so stark, mein Wissen weiterzugeben, dass ich den Sprung gewagt habe. Mit sunnysidesofsales zeige ich Selbstständigen und Gründern, wie man leise und erfolgreich seine Produkte und Dienstleistungen verkaufen kann, ohne aufdringlich oder pushy zu sein oder auch sich verbiegen zu müssen. Sondern ganz ehrlich, authentisch und mit Spaß.

Und warum bist du selbstständig? Was motiviert dich? Warum ist das für dich toll? 

Ich fühle mich einfach frei und unabhängig. Jeden Tag kann ich aufstehen und frei entscheiden, was ich mache, wie viel ich mache und von wo aus ich arbeite. Und natürlich arbeite ich auch viel. Das heißt, ich liege nicht bis mittags im Bett und gehe dann ins Schwimmbad. Aber es ist meine Entscheidung und meine eigene Verantwortung. Und das liebe ich. Und ich hatte schon vor vielen Jahren den Wunsch, für mich selbst entscheiden zu können und all mein Wissen auch weiterzugeben. Ich habe mir gedacht, wenn ich das jetzt nicht nach so vielen Jahren im Angestelltenverhältnis mache, dann mache ich das nie mehr. Entweder kommt also mal der Punkt, an dem man den Sprung wagt und sagt, ich fälle jetzt die Entscheidung und ich gehe. Oder aber ich muss in meinem kleinen Gefängnis bleiben. Vielleicht ist das auch keine schlechte Entscheidung, aber für mich war sie nicht mehr stimmig. Das Ausschlaggebende für mich war, dass sich sehr viel in der Firma verändert und mir die Arbeit keinen Spaß mehr gemacht hatte und ich raus aus der Routine musste. Und ich habe so viel Wissen und Input, was ich so gerne weitergeben möchte. Ich glaube, wenn ich mich nicht dafür entschieden entschieden hätte, wäre ich mit all meinem Wissen einfach eines Tages geplatzt.

Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie sicher fühlt sich deine Selbstständigkeit, dein Unternehmertum an und warum?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich sage spontan eine Sieben. Sieben, weil ich den Glauben an mich selbst habe. Deswegen fühlt sich mein Business für mich sicher an. Ich zweifle wenig, habe ein Urvertrauen, dass immer alles gut wird und sich auch alles so entwickelt, wie ich das möchte. Nichts desto trotz bin ich natürlich immer aufmerksam und beobachte mein Umfeld, mein Business, schaue, was kann ich optimieren und anpassen. Das ist natürlich ganz wichtig, wenn du Unternehmer bist. Die zweite Einstellung, die ich habe, ist, dass ich immer irgendwo Geld verdienen kann. Ich habe schon so viel in meinem Leben gemacht und so viel gearbeitet und so viele verschiedene Jobs gehabt, dass es für mich keinen Zweifel gibt, dass ich nicht irgendwo Geld verdienen kann. Es wird immer zum Leben reichen. Und die wichtigste aller Fragen ist eigentlich vielmehr, was wirklich das Schlimmste ist, was passieren kann in deiner Selbstständigkeit. Und wenn du dir das überlegst, merkst du, dass da gar nicht mehr so viel an Zweifel übrig bleibt. 

Was würdest du Menschen raten, die gern gründen möchten, sich aber nicht trauen, weil sie ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben?

Also meine ganz klare Empfehlung hierfür ist: Geh zu einem professionellen Coach, weil der dir am meisten persönlich weiterhelfen kann. Ein Coach ist neutral und objektiv. Und er findet mit dir zusammen heraus, welche Wege es gibt. Und was für Ängste vorhanden sind. Man muss bei Ängsten oder auch bei dem Sicherheitsbedürfnis unterscheiden. Sind das Ängste, die vielleicht mehr deine Familie oder Freunde haben und die auf dich abfärben? Weil die engsten Menschen in deinem Umfeld vielleicht nie Unternehmer waren und den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben. Man muss sich fragen: Was sind wirklich eigene Ängste, was sind eigene Bedürfnisse und was sind die Ängste und Bedürfnisse des Umfelds, in welchem man sich bewegt. Der zweite Tipp ist: Such’ dir Menschen, die diesen Sprung geschafft haben, die bereits erfolgreich sind als Unternehmer oder sich in der gleichen Phase befinden wie du selbst. Mit denen kannst du dich austauschen, weil das Mindset und die Lebensentwicklung hier passen. Man braucht Gleichgesinnte.  

Vielen Dank, liebe Martina, das war spannend: Auch du bestätigst, dass es wichtig ist, sich ein passendes Umfeld zu suchen. Und zu gucken, was die eigenen und was die Ängste deines Umfelds sind. Das ist ein wertvoller Hinweis. Auch der Tipp zu schauen, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn das Unternehmen nicht läuft.

Marta Rechul - Ab in die Hörbuchwelt

Und jetzt bin ich gespannt, was Marta beitragen wird. Martha Rechul kenne ich schon lange. Sie hat in ihrem beruflichen Leben schon wirklich viel ausprobiert. Jetzt ist sie Hörbuch-Verlegerin. Wenn du dein eigenes Buch geschrieben hast oder schreiben möchtest und das als Hörbuch verlegen möchtest, dann ist Martha auf jeden Fall die richtige Adresse. So, liebe Martha, jetzt gehört dir die Bühne. 

Wer bist du? Was machst du beruflich? Und wie lange bist du schon selbstständig bzw. unternehmerisch tätig?

Hi, ich bin Marta Rechul, Inhaberin des Hörbuchverlags Liberaudio. Wenn ein Autor ein Buch geschrieben hat, dann kommt er zu uns. Wir produzieren das Hörbuch und verkaufen es weltweit. Das heißt, unsere Zielgruppe sind Verlagsbuchautorinnen im besten Fall, die die Rechte für das Hörbuch behalten und ihr Buch dann mit uns zusammen herausbringen. Unser Geschäftsmodell basiert auf Umsatzbeteiligung, das heißt, wir verdienen unser Geld aus den Umsätzen. Die Autoren bekommen 70 % und wir 30 % der Einnahmen.

Und warum bist du selbstständig? Was motiviert dich? Warum ist das für dich toll?

Ich habe mich zum ersten Mal kurz nach meinem ersten Job, nach der Ausbildung selbstständig gemacht. Damals habe ich im Büro gearbeitet. Und so einfach es heute klingt, zu dieser Zeit hat es mir einfach nicht gepasst, dass ich zu einer bestimmten Stunde an Ort und Stelle zu erscheinen hatte. Und ich habe gemerkt, dass ich so nicht arbeiten wollte. Ich wollte in meinem eigenen Rhythmus leben und arbeiten, eben so, wie mein Körper es braucht und wie ich es eben will und kann. Und ja, ich bin bis heute dankbar dafür, so leben zu können. Aufstehen, wann ich will, ohne Wecker frei machen, wenn ich es brauche, Auszeit nehmen, wann ich es brauche. Und genau so gebe ich das auch an mein Team weiter. Alle können vor allem in ihrem Rhythmus arbeiten. Bis heute ist es die größte Motivation für mich, mein eigener Chef sein zu können.

Auf einer Skala von 0 bis 10. Wie sicher fühlt sich deine Selbstständigkeit, dein Unternehmertum an und warum?

Heute ist unser Geschäftsmodell gestanden und auch unsere Zielgruppe ist klar. Wir haben vorausplanbare Cashflow-Eingänge. Das bietet eine gewisse Sicherheit. Es bedeutet, wenn ich am Stichtag heute keine neuen Aufträge erhalten würde, habe ich über einen Zeitraum von zwölf Monaten noch ausreichend Eingänge, um mich und gegebenenfalls sogar mein Team über Wasser zu halten und zu ernähren. Das heißt, auf einer Skala von 0 bis 10 würde ich uns eine Neun geben. Umsätze kann man immer erhöhen und Glaubenssätze verändern, um zu wachsen. Deswegen wähle ich die Neun. Die Sicherheit ist bei uns letzten Endes schon gegeben. Aber das war nicht immer so, denn gerade in den Anfangszeiten braucht man erstmal eine Idee, die funktioniert, eine Zielgruppe, die man ansprechen will und ein Geschäftsmodell, das diesen Cashflow irgendwann auch generieren kann. Und ich will auch nicht verbergen, dass es ein ständiges Umsetzen, Dazulernen und Durchhalten ist. Aber das gehört dazu, wenn man genau da hinkommen will, wo wir heute sind.

Was würdest du Menschen raten, die gern gründen möchten, sich aber nicht trauen, weil sie ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben?

Wenn du jemand bist, der ein hohes Sicherheitsbedürfnis hat, dann wäre mein Vorschlag, eine Idee zu entwickeln und dir die Selbstständigkeit auf jeden Fall zunächst nebenbei aufzubauen. Das ist anstrengend, aber es ist sicher. Wenn du deinem Herzensprojekt folgen möchtest, dann würde ich das eher hinten anstellen und erst mal einer Nebentätigkeit nachgehen, bei der die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, schneller Geld zu generieren. Du kannst eine Leistung als Freelancer anbieten. Du solltest dich auf jeden Fall im Marketing üben und kannst zum Beispiel auch in das Network Marketing einsteigen. Du kannst das Geld sparen und einen Teil z.B. in Dividenden-Aktien anlegen. Dann hast du mit der Zeit eine gewisse finanzielle Sicherheit und lernst mit deinem Geld vernünftig umzugehen, das du nebenbei verdienst. Und wenn du dich irgendwann finanziell sicher fühlst, kannst du den Schritt wagen, ein Herzensprojekt zu starten und gegebenenfalls auch den Job zu kündigen. Also, meine Devise würde lauten: Starte mit einer finanziellen Rücklage und auch mit dem Wissen, was Marketing ist, wie du Kunden gewinnst und welche Möglichkeiten du hast.

Super, vielen Dank, liebe Marta, der Hinweis ist auch sehr wertvoll, sich um seine Finanzen und um Marketing zu kümmern. Um nur zwei Dinge zu nennen. Ich glaube, es ist extrem wichtig, rechtzeitig Skills aufzubauen, wenn du gründen möchtest. Da stimme ich der Marta total zu.

Go for it!

Das waren meine fünf Unternehmerinnen, fünf Selbstständigen unterschiedlichen Alters, die schon losgegangen sind, schon unterschiedlich weit sind und aus völlig unterschiedlichen Bereichen kommen. Und alle raten dazu: Go for it, mach das, was dir wirklich Freude macht! Alle sind motiviert, weil sie wissen, dass eine Selbstständigkeit und Unternehmertum dir ein selbstbestimmtes, unabhängiges Arbeiten ermöglicht. Dem würde ich zu 100 % zustimmen. Das ist auch der Grund, warum ich mich selbstständig gemacht habe. Ich würde noch hinzufügen: Der Letzte, der die Tür zumacht, ist der Unternehmer, die Unternehmerin und nicht der Angestellte, der in schwierigen Zeiten vielleicht gehen muss. Das heißt, eine Anstellung ist auch nicht so sicher, wie wir immer denken. Also: Ich bin ein Riesen-Fan davon, wenn du dich selbstständig machen willst. 

Du hast nun viele Tipps, viele Inspirationen und Impulse bekommen. Schau dir aber ganz individuell an, was das Thema Sicherheit mit dir macht, warum du nicht losgehst. Und dann nimm deine Beine in die Hand, beweg was und bilde dich gegebenenfalls fort. Aber lass dich nicht aufhalten und verharre nicht in einem ungeliebten Angestellten-Job, wenn du eigentlich dein eigener Herr/ deine eigene Frau sein möchtest. 

In diesem Sinne freue ich mich, dass du zugehört hast bei dieser Premiere mit fünf unterschiedlichen Interview-Gästen. Danke dir fürs Zuhören oder Reinlesen. Bis nächsten Sonntag.

Alles Liebe.

Deine Anja

 

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