Berufliche Neuorientierung

Berufliche Neuorientierung – wie sie gelingen kann

Findest du deinen jetzigen Beruf langweilig? Siehst du absolut keinen Sinn, in dem, was du tust? Hast du absolut keine Lust mehr auf das, was du tust? Oder ist dir das Umfeld zuwider? Dann ist es ja gut möglich, dass du dich mit dem Thema berufliche Neuorientierung schon mal auseinander gesetzt hast.

Als erstes solltest du für dich erst mal klären, ob eine berufliche Neuorientierung überhaupt sinnvoll ist. Ob es deine Situation dauerhaft verändert.

Wie jetzt, Anja? Schlimmer kann es doch nicht mehr werden! Warum sollte das nichts bringen? Weil unsere Probleme immer mit uns selbst zu tun haben – logisch mit wem denn auch sonst ;-). Und weil es bei einigen Problemen überhaupt nichts bringt, den Job zu wechseln, da uns die Probleme im nächsten Job einfach wieder einholen werden. Weil du die Probleme mitnimmst. Weil sie an dir kleben wie Pattex.

Ich gehe in diesem Artikel davon aus, dass du deine Probleme in der Regel selbstwirksam löst und du dir von Herzen eine andere Tätigkeit wünscht. Etwas Sinnvolles. Etwas Erfüllendes. Etwas Spannendes. Etwas Kreatives. Was auch immer es ist, was du dir wünscht. In jedem Fall etwas Neues. Was bedeutet das nun?

Wie gehst du da sinnvollerweise ran?

Eine berufliche Neuorientierung ist kein Spaziergang und dauert in der Regel zwischen 6 Monaten bis mehrere Jahre – je nachdem wo du gerade stehst und wo du hin möchtest. Sie erfordert viel Struktur und Planung. Daher jetzt gleich vorweg: Alles, was du ab heute in dieser Sache angehst, machst du am besten immer schriftlich. Gedanken sind flüchtig. Erstens vergisst du ganz viel wieder, zweitens strukturierst du alles durch das Aufschreiben und drittens hilft das beim Reflektieren und schafft Verbindlichkeit. Du kannst viel leichter etwas denken, was Blödsinn ist, als es notieren!

Wie gehst du nun am besten vor?

Meine bewährte Strategie, wie ich da mit Klienten rangehe:

1. Schritt: Bestandsaufnahme und Reflexion:

Im ersten Schritt heißt es: Zurück auf Los und schauen, was schon da ist. Es geht darum, dass du dich auf einer tiefen Ebene begreifst. Was macht dich aus? Wie bist du motiviert? Was kannst und willst du? Im ersten Schritte geht es darum, dass du dich selbst richtig gut kennenlernst. Diese Fragen werden dir helfen:

  • Welche Kompetenzen (Fähigkeiten, Fertigkeiten, Erfahrungen, Wissen) sind schon da? Auf was kannst du zurückgreifen. Kleiner Tipp: Es ist meistens viel mehr als du denkst. Jede Wette, da kommt eine Menge zusammen. Was davon macht dir Spaß und willst du nutzen? Was davon wäre ein Kompromiss? Was davon willst du auf keinen Fall mehr tun?
  • Was tust du gern? Was macht dir Freude? Was würdest du gern tun, wenn du es könntest?
  • Was würdest du tun, wenn du nicht scheitern könntest?
  • Wo sind deine stärksten Interessen? Womit beschäftigst du dich leidenschaftlich gern, auch ohne, dass du dafür bezahlt wirst? Wo geht deine natürliche Aufmerksamkeit hin?
  • Was ist ein Umfeld, das dich wachsen lässt? Wie muss das aussehen? Welche Leute umgeben dich? Welche Orte? Wie flexibel soll das Ganze sein?
  • Was willst du auf gar keinen Fall mehr? Wovon willst du weg? Was sagt das darüber aus, was du brauchst? Kannst du daraus schon Ziele ableiten?

2. Schritt: Ideenentwicklung:

Jetzt nimm deine Antworten aus obigen Fragen und beschäftige dich damit. Hast du schon beim Aufschreiben eine erste Idee gehabt? Wunderbar. Häufig braucht es jedoch jetzt an dieser Stelle eine große Portion Gehirnschmalz. Und zwar der kreativen Sorte. Es geht hier an dieser Stelle noch nicht um die Bewertung, ob etwas machbar ist.

Ich gebe an dieser Stelle immer einen Vergleich, der deutlich macht, was wir häufig mit unseren Ideen tun. Stell dir vor, du möchtest eine Sonnenblume pflanzen. Du nimmst einen Sonnenblumenkern, steckst ihn in die Erde in einen Topf und gießt ihn jeden Tag. Du stellst den Topf an eine helle, warme Stelle. An Tag 5 bis 7 siehst du schon den Keimling. In diesem Stadium ist der kleine Setzling noch sehr zart und empfindlich. Würdest du ihn jetzt raus in den Garten setzen, wo es vielleicht grad 0-2 Grad hat? Würdest du über ihn drüber laufen und schauen, was dann mit dem Setzling passiert? Vermutlich nicht oder? Denn das Resultat wäre klar: Die Sonnenblume könntest du vergessen!

Warum zum Teufel tust du das denn mit deinen Ideen?

Mit deinen Wünschen und Bedürfnissen? Warum setzt du diese den harten Witterungsbedingungen aus, wenn sie dazu noch nicht reif sind? Warum trägst du deine Gedanken nach draußen in die Welt, wo jeder kommt, drauf rumtrampelt und dir alles sofort wieder ausredet? „Was für ein Blödsinn. Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“

Oder eine andere Variante: Du trampelst selbst wie ein Wildschwein auf dem kleinen Setzling selbst rum? „Geht ja doch nicht. Was hast du dir da nur für einen Schwachsinn überlegt?“.

Ideen entwickeln ist vergleichbar mit dem Wachstum von Pflanzen. Beide sind sehr empfindlich und brauchen Schutz.

So, nachdem du das jetzt weißt: Nimm deine Antworten aus Schritt 1, schreib sie einzeln auf Kärtchen und geh in die kreative Entwicklungsphase. Verbinde deine Karten und lass deiner Fantasie freien Lauf. Schreibe alle Ideen auf. Und seien sie noch so verrückt. Keine Bewertung an dieser Stelle.

Dein Interesse ist das Kiten? Du liebst das Organisieren und das Reisen? Versuche es zu verbinden. Wie wäre es mit diesen Beispielen:

  • Kitesurfing lehren
  • In einem Laden für Kitesurfing Material arbeiten oder selbst einen eröffnen
  • Online Beratung und Verkauf Kitesurfing
  • Ein Kitesurfing Camp z.B. auf Teneriffa leiten oder selbst eröffnen
  • Produktion: Kitesurfing Material herstellen
  • Marketing für Kitesurfing betreiben
  • Blog über Kitesurfing inkl. Training
  • Artikel schreiben für Kitesurfing Zeitschriften
  • Profi-Kiter werden
  • Kitesurfing für Kinder anbieten
  • Kitesurfing Events organisieren z.B. für Firmen, Geburtstage etc.
  • Reparaturwerkstatt für Kite-Material
  • Kitesurfing Schule und Co-Working inkl. Events aufbauen oder leiten
  • Kitesurfing Abenteuer Reisen organisieren
  • Im Sommer irgendetwas im Kitesurfing Bereich hier im Norden, im Winter in wärmeren Bereichen im Süden oder auch etwas ganz anderes wie Skilehrer oder Snowkiting
  • Verwandte Bereiche: Surfen, Windsurfing, Segeln, Katamaran, Wasserski, Wakeboard
  • etc.

Du siehst schon: aus drei Interessen lässt sich eine ganz Menge an Ideen spinnen.

Vielleicht willst du aber auch, dass das Kiten dein Freizeitausgleich bleibt. Dann versuche das Organisieren und das Reisen irgendwie anders zu verbinden. Vielleicht möchtest du Events organisieren. Oder Kurse bei Bildungsträgern. Vielleicht willst du auch nur dich selbst organisieren. Geh ganz spielerisch an die Ideenentwicklung ran. Gut ist an dieser Stelle auch, andere Menschen mit einzubeziehen für die Entwicklung von Ideen. Ganz wichtig ist allerdings: Gib auch ihnen das Bild des Setzlings weiter. Es geht in dieser Phase nicht und die Bewertung der Ideen, sondern einzig und allein darum, möglichst viele Ideen zu sammeln. Manchmal entsteht aus einer total verrückten nämlich eine durchaus brauchbare Idee. Bist du durch alle deine Interessen und Lieblingstätigkeiten durch? Gut, dann geht es jetzt weiter in Phase 3.

3. Schritt Sondierung und Informationsgewinnung:

Wenn du – möglichst viele – Ideen gesammelt hast, lass sie am besten mal ein paar Tage unangetastet liegen. Und dann widme dich ihnen noch mal. Vielleicht fällt dir noch etwa ein?

Dann nimmst du die Ideen und bewertest sie erst mal nach Attraktivität, also auf einer Skala von 0-10 wie attraktiv erscheinen die einzelnen Ideen. Ist dir schon etwas aufgefallen? Achtung: Ich spreche hier immer noch nicht von Machbarkeit. Lass das bei deiner Bewertung unbedingt außen vor. Das kannst es zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht beurteilen und trittst sozusagen mit dem Gummistiefel direkt auf den Setzling drauf. Das kommt später. Also, nicht das drauftreten 😉

Dann nimmst du dir zuerst die Ideen vor, die eine Attraktivität von 7 und höher haben. Jetzt geht es in die Informationsgewinnungs- und Sondierungsphase. Was brauchst du dazu, um die Idee umzusetzen? Folgende Fragen können dich dabei leiten:

  • Womit wirst du dich dann den Tag über voraussichtlich auseinander setzen? Gefallen dir die Tätigkeiten?
  • Wie sehen dein Arbeitsumfeld und deine Arbeitszeiten voraussichtlich aus? Gefällt dir das?
  • In welchen Unternehmensform werde ich dann voraussichtlich arbeiten (angestellt in Kleinen und mittleren Unternehmen, Konzern, selbstständig, Öffentlicher Dienst…)
  • Welche Kompetenzen bringe ich schon mit, was muss ich noch lernen? Wie ginge das?
  • Was kann ich verdienen? Was sind Entwicklungsmöglichkeiten?
  • Sehe ich in der Arbeit Sinn? Glaube ich, dass mich die Arbeit erfüllen könnte?
  • Was fällt mir noch positiv auf?
  • Welche Bedenken habe ich? Wie kann ich das entkräften?
  • Welche Konsequenzen habe ich zu tragen?

4. Schritt Entscheidung und Umsetzung:

Hast du alles ausreichend geprüft und Informationen gesammelt? Dann bewerte das jetzt auf einer Skala von 0-10. Wie attraktiv erscheint dir das nun nach deiner Recherche? Kannst du schon eine Entscheidung treffen? Wenn ja, tu es. Es wird nicht einfacher.

Wenn nein, gehe einen Schritt zurück? Fehlen dir noch Informationen? Gibt es noch etwas zu klären? Hast du etwas übersehen?

Welche Bedenken hast du noch? Wovor hast du Angst? Was könnte schlimmstenfalls passieren? Schau dir deine Ängste genau an. Was wollen sie dir sagen? Was steht hinter der Angst? Meistens verschwindet oder minimieren sich die Ängste, wenn du sie dir anschaust. Und meistens wird ein Elefant dann zu einer Maus.

Sind alle Argumente gleich stark, d.h. spricht nichts wirklich für oder gegen eine Alternative, ist es fast egal, was du tust. Das ist das Los von schweren Entscheidung. Die Vor- und Nachteile sind auf beiden Seiten gleich stark in etwa. Das Schlimmste, was du machen kannst, ist gar keine Entscheidung zu treffen und im unguten luftleeren Raum zu verharren. Dann entscheide dich lieber bewusst für deine jetzige Wahl. Besser als die Entscheidung immer vor sich her zu schieben, ist das allemal, weil du wenigstens eine bewusste Entscheidung triffst. Mit allen Konsequenzen. Du übernimmst Verantwortung.

Wenn du die Entscheidung getroffen hast, dann geh am besten sofort in Umsetzung. Was sind die ersten Schritte, die du tun musst? Was kommt danach? Was ist noch zu klären? Wer noch ins Boot zu holen? Klär die notwendigen Dinge und komm sofort in die Umsetzung. Mach deinen ersten Schritt innerhalb von max. 72 Stunden. Nicht später.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei deinem Projekt Neuorientierung.

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